Wie Corona die Eifeler Wirtschaft infiziert
Das Virus, die Krise und das Geld: Manche Branchen trifft es hart, andere leiden bisher kaum unter Pandemie. Spielentscheidend wird sein, wie lange der Ausnahmezustand anhält, sagen die Vertreter der Eifeler Banken.
Von Dagmar Dettmer und Fritz-Peter Linden

BITBURG/PRÜM/ARZFELD/IRREL | Gesundheit ist das höchste Gut. Keine Frage. Aber die Schutzregeln und Einschränkungen, die uns allen auferlegt wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzubremsen, setzen den Firmen und Betrieben zu. Etliche Menschen sind in Kurzarbeit, in einigen Branchen bleiben nach wie vor die Türen geschlossen.

Jetzt, wo es bei so vielen ums Geld geht, das sie nicht (mehr) haben oder verdienen, sind auch sie gefordert: die Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Wir haben mit den Vorständen der regionalen Institute gesprochen und gefragt, wie sie die Lage einschätzen, wo es derzeit besonders pressiert, was sich wegen des Coronavirus geändert hat – und vielleicht noch ändern wird.

Die Krise bremst alle ein – wirkt aber auch als Beschleuniger: „Wir haben deutlich mehr Umstellungen auf Online-Banking“, sagt Mark Kaffenberger, zusammen mit Klaus Peters Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel. „Quasi über Nacht“ habe sich das vollzogen. „Da sind viele dabei, die sich vorher nicht davon hätten überzeugen lassen. Vor einigen Wochen war das noch gar nicht denkbar.“

Wie schwer haben es die Unternehmer in der Kundschaft? Peters: „Wir haben sehr viele Anfragen nach Tilgungsaussetzungen.“ Und auf die Frage, ob es, wie vielfach befürchtet, nicht alle durch die Krise schaffen werden, sagt er: „Ich glaube auch, dass das der Fall sein wird. Wir haben zwar noch keine Ausfälle. Aber viele, die sich Sorgen machen.“

Zwar stelle man Liquidität bereit, sagt Kaffenberger. „Aber ein Darlehen müssen Sie irgendwann auch zurückzahlen.“ Das alles müsse jetzt bereits berücksichtigt werden – und eingeplant. „Das wird die größte Herausforderung.“ Peters erinnert in diesem Zusammenhang an die Milchkrise der Bauern vor gut sechs Jahren: „Von damals haben wir Darlehen, die heute noch in der Tilgung sind.“

Auch an der Raiffeisenbank Irrel, dem kleinsten regionalen Geldinstitut im Eifelkreis, geht die Pandemie nicht spurlos vorüber. Vorstand Werner Kemmer ist aber davon überzeugt, dass die ländliche, bodenständige Eifel weniger gebeutelt ist als viele andere Regionen. „Denken Sie an Baden-Württemberg und die Ballungszentren wie das Rhein-Main-Gebiet“, sagt Kemmer, „wir haben hier keine mächtigen Konzerne, die vom Exportgeschäft und von unzähligen Zulieferern völlig abhängig sind.“ In der Eifel sei man, auch dank der vielen Handwerksbetriebe, breiter aufgestellt. Dennoch weiß auch Kemmer: Das Gastgewerbe und die komplette Tourismusbranche ächzen. Und niemand kann sagen, wie lange die Einschränkungen gelten werden.

Auch der Einzelhandel ist getroffen. Die Einbußen der üblicherweise umsatzstarken Wochen rund um Ostern seien, auch weil es ein Saisongeschäft ist, nur schwer wieder aufzufangen, berichten die Bankvorstände unisono.

Etliche Betriebe brauchen Unterstützung. „Etwa zehn Prozent unserer Firmenkunden haben Hilfsmaßnahmen von Bund und Land mit einem Gesamtvolumen von rund fünf Millionen Euro beantragt“, sagt Andreas Theis, gemeinsam mit Michael Simonis Vorstand der Volksbank Eifel. Zudem sei mit etwa zehn Prozent der Kunden vereinbart, Tilgungen auszusetzen. Das seien fast ausschließlich Geschäftskunden. „Privatleute, die in ein Haus oder eine Wohnung investiert haben, ziehen ihre Projekte im Vertrauen darauf, dass sich die Lage bessert, durch“, sagt Theis.

Besonders hart treffe es Betriebe, denen die Bank bei der Sanierung zur Seite stehe. Denn: Nicht alle fallen unter die Förderrichtlinien. Hilfe erhalten derzeit nur die, „die nachweislich durch Corona in die Krise geraten sind“, erklärt Theis und nennt noch eine weitere Gruppe, die durchs Raster fällt: Start-Ups, also Unternehmensgründungen, die erst kurze Zeit am Markt sind. Und: Solo-Selbstständige.

Dennoch sagt Theis: „Derzeit ist nicht absehbar, dass es einen Betrieb zerstört, der nicht ohnehin schon am Schlingern wäre.“ Nur aufgrund der Corona-Krise zeichne sich keine Insolvenzwelle ab. Noch nicht. Denn: Der spielentscheidende Faktor sei die Zeit.

Eine Einschätzung, die der Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm teilt. Bislang mache sich die Krise in den einzelnen Branchen recht unterschiedlich bemerkbar: „Besonders spürbar sind die Folgen im Bereich Handel und Dienstleistung, insbesondere im Hotel- und Gastronomiebereich sowie in der Touristik-, Event- und Veranstaltungsbranche. Hier ist der Umsatz nahezu null“, sagt der Vorstandsvorsitzende Ingolf Bermes. Dahingegen laufe es im Bauhandwerk „noch moderat“. Allerdings seien auch dort einige Aufträge wegen der Kontaktbeschränkungen nicht umsetzbar. Zudem gebe es in Betrieben, deren Lieferketten und Absatzmärkte betroffen seien, Einbußen.

Auch die Kreissparkasse arbeitet mit ihren Firmenkunden daran, Engpässe abzufedern. „Unter Einbindung der Hilfsprogramme haben wir inklusive der sparkasseneigenen Mittel in den vergangenen Wochen annähernd zehn Millionen Euro neue Liquidität zur Verfügung gestellt“, sagt Sparkassen-Vorstand Rainer Nickels. Dennoch: Für Betriebe, die derzeit nicht unter die Förderrichtlinien fallen, sieht es ernst aus, wie Bermes erklärt: „Zum Teil sind gerade solche Unternehmen von der Förderung nicht erfasst, die sie aktuell am dringendsten benötigen.“ Firmen, die die Bank bei der Sanierung unterstützt.

Weiterführende Informationen: Interviews mit den Vorständen von Kreissparkasse und Volksbank Eifel sowie Berichte aus Sicht der Vorstände der Raiffeisenbanken Westeifel und Irrel finden Sie unter www.volksfreund.de

Info
Einschätzung der Lage

Andreas Theis, Vorstand Volksbank Eifel: „So richtig der radikale Schnitt und die damit einhergehenden Einschränkungen aus Gesundheitsgründen waren, so wichtig ist es jetzt, das wirtschaftliche Leben unter Auflagen langsam wieder hochzufahren. Über Monate betrachtet wird der Stillstand auch für gesunde Betriebe zum Problem.“

Werner Kemmer, Vorstand Raiffeisenbank Irrel: „Auch dank der vielen Handwerksbetriebe und der klein- und mittelständischen Firmen sind wir in der Eifel breiter aufgestellt und damit gut gerüstet, diese Krise zu überstehen. Das sieht bei Ballungszentren mit mächtigen exportabhängigen Konzernen anders aus.“

Ingolf Bermes, Vorstandsvorsitzender Kreissparkasse Bitburg-Prüm: „Das, was wir derzeit erleben, ist ohne Beispiel. Je länger die Krise anhält, desto mehr Unternehmen werden direkt oder indirekt davon betroffen sein. Auch, wenn seit Anfang der Woche wieder ein Stück Normalität in den Alltag zurückgekehrt ist, stehen wir erst ganz am Anfang.“

Mark Kaffenberger, zusammen mit Klaus Peters Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel: „Wir haben deutlich mehr Umstellungen auf Online-Banking. Da sind viele dabei, die sich vorher nicht davon hätten überzeugen lassen. Vor einigen Wochen war das noch gar nicht denkbar.“