Der Name dieses Platzes wird zum Mahnmal

Missbrauch

Zu den Artikeln „Keine Mehrheit: Bischof-Stein-Platz behält den Namen“ (TV vom 28. Januar) und „Bischof-Stein-Platz behält Namen – vorerst“ (TV vom 29. Januar):

Den Bischof-Stein-Platz umzubenennen, etwa in Platz der Menschlichkeit, wie es Dr. Schnitzler vorschlug, bekommt keine Mehrheit im Trierer Stadtrat.

Für die Opfer, die die Akten und Belege für die Vertuschungen des Bischofs zugunsten der Täter als objektiv ausreichend anerkennen, ist dies keine wertneutrale Haltung. Wer ablehnt, sollte eine direkte Stellungnahme des Bistums verlangen. Dort liegen doch die Akten und Belege!

Aber vielleicht erwächst aus der scheinbaren Niederlage der Menschlichkeit doch etwas positiv Starkes. Jeder, der heute und in Zukunft Bischof-Stein-Platz liest, wird erinnert an Opfer, die die Hilfe ersehnten und diese als Schutzbefohlene dieses Bistums nicht erhielten (Nächstenliebe? – Fehlanzeige!). Der Name wird zum Mahnmal!

Gläubige fragen: Wie kann es sein, dass der oberste Seelsorger vor Gewissen und Jesus Schutzbefohlene ohne Hilfe ließ? (Mitgefühl? – Fehlanzeige!). Wieso schützt er Priestertäter, schickt sie nicht zur Therapie, sondern in neue Wirkstätten, um nicht nur das Evangelium zu verkünden?

Diese sexualisierte Gewalt wurde durch bewusstes Wegsehen nicht nur geduldet, sondern erst ermöglicht. Unterlassene Hilfeleistung gegenüber Schutzbefohlenen ist ein Straftatbestand. Müssten Bischöfe in Deutschland nicht endlich vor Gericht?

Die Verjährungsfrist von 30 Jahren, die den Vertuschern in die Hände spielt, gehört abgeschafft. Wieso müssen die Opfer die Aufarbeitung erbringen? Wieso leisten nicht das Bistum und der Missbrauchsbeauftragte Bischof Ackermann die Arbeit?

Wenn dann der Verein Missbit für sie diese Arbeit erledigt, dann ignorieren sie die Ergebnisse. Die Akten sind ihnen zur Gänze zugänglich. Zur Missbrauchsstudie hielt die Kirche viele Akten sogar geheim. Transparenz, wie Kardinal Marx forderte – leere Worte!

Die Seelsorger wollen auch heute noch nicht eigenverantwortlich Schlüsse aus Akten ziehen, wenn diese ihr eigenes Haus belasten. (Sorge um die Seelen? – Fehlanzeige!). Opfer: stehen weiter im Regen.

Herr, vergib ihnen, obwohl sie genau wissen, was sie tun! Als Christ suchte ich nach Mitgefühl und Nächstenliebe, wie die Caritas großmütig verkündet. Gefunden habe ich sie nicht.

Dr. Berthold Mertz, Bernkastel-Kues